Eindrücke – Ein Brief an die Welt

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Hallo Welt!

Ich bekam vor ein paar Tagen mein erstes Paket! Es war eine Überraschung und es wurde doch tatsächlich in meinem Namen geliefert. Wie schnell sich die Nachricht meiner Geburt doch herum gesprochen hat! Wie man in den Bildern gut erkennen kann, war ich von den Handtüchern nicht sehr beeindruckt, auch nicht von der kreativen Fotomontage meines Vaters, aber ich hatte das Gefühl meine Eltern hatten Spaß an der Fotosession. Erwachsene erfreuen sich ja bekanntlich sonderbarer Dinge, aber ich glaube, ich werde die Handtücher mit der Zeit mögen, vielleicht auch nur der Stickerei wegen.
Ich selbst war während der Bildaufnahmen mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Ich muss mich in den nächsten Wochen und Monaten sehr auf meinen Körper konzentrieren. Es gibt ja so viel zu lernen! Einem Phänomen bin ich besonders oft ausgeliefert; dem Schluckauf oder dem Hiccup. Beide Worte klingen lustigerweise in beiden Sprachen ziemlich ähnlich. Er erwischt mich immer völlig unvorbereitet und manchmal machen mir die Schluckauf-Reaktionen meines Körpers ein bisschen Angst. Aber nur ein wenig, denn ich bin fast immer ziemlich entspannt und nehme sie wie sie kommen.
Meine Mutter ist außerdem ziemlich überrascht darüber, wie anstrengend es für mich ist an ihrer Brust zu saugen. Am Anfang wurde ich knallrot im Gesicht, habe stark geschwitzt und bin nach einer Mahlzeit vor lauter Erschöpfung direkt eingeschlafen. Meiner Mutter fiel es in der ersten Woche auch reichlich schwer mich zu füttern, das konnte ich deutlich an ihrer verzerrten Mimik sehen. Jetzt haben wir aber so langsam den Dreh raus und es geht immer leichter. Es macht uns beiden sogar meistens Spaß! Sie findet es ziemlich kurios, wenn ich mir die Hand anstatt ihren Nippel in den Mund schiebe und ganz nervös anfange zu zappeln und zu motzen. Wenn ich dann fast die Nerven verliere hilft sie mir aber mich zu beruhigen. Ich bin ganz froh, dass sie weiß wie das geht.
Auch bin ich absolut nicht an die Empfindungen und Reaktionen meiner Verdauung gewöhnt! In utero war das alles ganz anders und außerdem mußte ich niemanden darauf aufmerksam machen, dass ich Hunger habe. Dort gab es IMMER etwas zu essen. Auch dieses ständige poopsen (ich nehme hier das englische Wort, weil mir die deutschen Wörter nicht gefallen) ist wirklich mühselig und macht ne ganze Menge Arbeit. Gott sei Dank nicht für mich! In der Nacht wechselt mir mein Vater die Windeln und er ist dabei immer sehr schweigsam, ganz anders als bei Tag, wenn er wach ist und viel mit mir redet. Ganz besonders gefällt mir, wenn ich auf ihm liegen kann und er mich an den Füßen hält bis ich einschlafe.
Ich habe in den letzten beiden Wochen schon kapiert, dass Erwachsene eine ganz besondere Vorliebe für kleine Hände und Füße haben und sie meistens Dinge wie “süß” oder “herzig” oder “ohhh” sagen. Spannend finde ich, dass sich auch ihre Stimmen dabei verändern. Sie sprechen plötzlich in einer höheren Tonlage und manche sind so aus dem Häuschen, dass sie sich fast nicht mehr einkriegen und das Bilden von vollkommenen Sätzen fällt ihnen schwer. Auch wird mein Lächeln mehr gewünscht als mein kritischer Blick, wenn die Kameras blitzen.  Ich finde auch schade, dass meine coolen Rülpser vor der Kamera nicht gut ankommen. Ich verstehe das nicht, das sind doch alles wichtige Etappen in der Entwicklung eines Babies, oder? Warum soll ich denn immer nur Lächeln? Na ja, ich muss das ja auch nicht verstehen, ich bin ja gerade mal 16 Tage alt!

Ansonsten schwebe ich immer noch sehr zwischen den Welten. Ich kann fühlen, dass meine Eltern das wissen und sogar wahrnehmen können, aber ich kann leider weder Ihnen noch Euch erzählen woher ich komme. Das ist mein Geheimnis. Ich bin aber neugierig auf dieses Erdenleben und bis jetzt glaube ich, dass ich es mit diesen Eltern ganz gut erwischt habe. Beide haben meine 43 Stunden (oder so) lange Geburt gut gemeistert. Meine Mutter konnte erfahren, was es wirklich bedeutet sich dem Prozess (oder soll ich sagen dem Leben…) komplett hinzugeben und mein Vater war in der gesamten Zeit zuversichtlich und hat immer daran geglaubt, dass ich irgendwann von meiner gemütlichen liquiden Umgebung Abschied nehmen werde und rauskomme. Kaum zu glauben, aber er war wirklich entspannt, sogar als er mich mit seinen Händen aufgefangen hat. Meine Hebamme, ihre Tochter und meine Freundin Julie übrigens auch, somit konnte sich meine Mutter gar keine anderen Gedanken erlauben. (zumindest nicht laut äußern…). Aber im Ernst, mein Geburtsteam war einzigartig und ich bin dankbar über den langsamen Abstieg ins Erdenleben. Das hat mir sehr geholfen frisch und fast munter das erste Licht der Welt zu erblicken. Es ist ganz schön viel los hier!

Sequoia

 

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6 thoughts on “Eindrücke – Ein Brief an die Welt

  1. Hallo Carmen
    Wie schön geschrieben!
    Ich freue mich so sehr für Dich.
    Manchmal denke ich an Pfingsten in Hamburg. Kommt es Dir nicht so vor wie ein anderes Leben?
    Ganz liebe grüße
    Anja

    • Hi,
      Ich erinnere mich immer wieder gerne an unseren Spaziergang an der Elbe und der Überraschung als wir plötzlich mitten auf der riesengroßen Tauffeier waren!! Das war so ein wunderschönes Ereignis.
      Ich hoffe Dir geht’s gut und wir sehen uns in nicht allzu langer Zeit mal.
      Carmen

  2. Congratulations, may your child grow big, strong, and have the gift of longevity and perseverance like the might Sequoia

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