Die Jagd

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Seit knapp 2 Monaten nehme ich die Suche nach einem Job tatsächlich ernst. Meine Hoffnung, daß mir meine nächste Aufgabe wieder vor die Füße rollt, scheint nicht mehr zu funktionieren. Ich durchforste Jobangebote auf craigslist und schreibe eine Bewerbung nach der anderen. Das Schreiben von Bewerbungen wurde sozusagen mein full-time Job. Es ist erstaunlich, wie viel Zeit das Lesen von Annoncen und Formulieren von Begleitbriefen und Resümees in Anspruch nimmt. Ärgerlich ist, wie selten ich eine Antwort auf meine Mühen bekomme. Es ist doch wirklich nicht zuviel verlangt eine einigermaßen freundliche Absage zu formulieren. Ich komme mir vor wie ein migrierender Vogel, der fremde Erde nach dem richtigen Futter absucht. Alle Sinne sensibilisiert um das richtige Nahrungsmittel zu orten. Hin und wieder landet er und probiert etwas, um erneut festzustellen, dass er doch noch nicht das richtige gefunden hat. Eine Freundin, die ich einmal in der Woche treffe, fragt mich jedes Mal:” Was ist denn diese Woche Aufregendes auf  dem Planeten Carmen passiert?” Und natürlich kann ich ihr immer interessante Geschichten erzählen. Sie meinte, dass meine Jobsuche im Grunde meine Reisen ersetzt hat. Dieses Mal durchstreife ich keine fremden Länder, dafür lerne ich die unterschiedlichsten Leute und Jobumgebungen kennen. Ich habe wieder keinen wirklichen Alltag und fülle meine Woche mit so vielen anderen Dingen, so daß meine Zeit fast vollkommen ausgefüllt ist.

Ich hatte ein Vorstellungsgespräch zur “Empfangsdame” in einem Unternehmen, dass sich auf Fenster und Türen spezialisiert hat und lernte dabei Marc und Debbie kennen. Beide Ende 50 und schätzungsweise seit 30 Jahren im selben Unternehmen. Sie baten mich von meinen letzten Jobs zu erzählen. Ihre Augen wurden immer größer und als ich einen kurzen Schwenk zur Rinderhirtin machte, fingen beide an zu lachen und fragten mich, ob ich mir denn allen Ernstes vorstellen könnte bei ihnen zu arbeiten und noch dazu für 42 Stunden in der Woche. Ehrlich gesagt, nein.

Ein anderes Vorstellungsgespräch hatte ich in einem Altenheim. Das Jobangebot hieß: “Life Enrichment Manager”. Als erstes zeigte uns (wir waren 3 Kandidaten) Claudia ein Video über die Gründer der Senioren Kette und die Botschaft lautete: Pure Leidenschaft, Faszination und Mitgefühl führen zu einem Job in diesem Heim. Es war eine leitende Stelle für 20 Demenzpatienten. Als ich Claudia fragte, wie hoch das Honorar ist, sagte sie $ 11.50!! Erst dachte ich, mich verhört zu haben, aber sie wiederholte die Zahl noch einmal und daraufhin wäre ich fast aufgestanden und gegangen. Die Arbeit mit Demenzpatienten ist hart und dafür nicht einmal ganze 9 Euro die Stunde, das ist ja wohl ein Witz.

Diese beiden ersten Interviews halfen mir zu verstehen, dass ich auf keinen Fall einen Job machen möchte, der entweder vollkommen unterbezahlt oder der mit 42 Stundenwochen den Großteil meiner Woche verschlingt und mich intrinsisch keineswegs befriedigt.

Folgende Ereignisse zur Orientierung kamen danach:

Rajendras Chef kennt viele Unternehmen und so bat ich ihn um Hilfe mit der Hoffnung, dass er mich an Leute verweist, die er kennt. Julian coachte mich stattdessen, oder besser gesagt versuchte mich in irgendeine Kategorie zu schubsen und versagte dabei erwartenderweise kläglich. Er meinte, dass ich “not an easy bird” sei. Dennoch hatten wir beide Spaß und es wurde klarer, dass es nicht DEN Job für mich gibt und ich ihn mir höchstwahrscheinlich selbst zusammen basteln muß. Der nächste Orientierungsschub passierte, als mich Bianca fragte, ob ich in ihrer nächsten Show mitmachen möchte. Antwort:,, Na klar!” Hätte ich einen Vollzeitjob ist ein Tanzprojekt dieser Art fast unmöglich. Der letzte Schubs gab mir Brians Angebot mich dabei zu unterstützen eine leitende Koordinatoren-Stelle in einem größeren Unternehmen zu bekommen, das mit Schulen und gemeinnützigen Organisationen zusammen arbeitet. Auch das interessiert mich wenig.

Resultat: Ich muss mir meinen Job selbst kreieren, brauche genügend Zeit um kleinere Kunstprojekte zu machen und ich habe absolut keine Lust für große Firmen zu arbeiten.

Fazit: Ich fokussiere meine Suche auf Teilzeit Personal Assistant Stellen. Entweder in einem Kleinunternehmen oder in einem Privathaushalt. Bestenfalls sollte die Tätigkeit einigermaßen gut bezahlt sein und einem guten Zweck dienen (zumindest für meinen Geschmack). Darüber hinaus konzentriere ich mich auf meine Idee Breema Körperarbeit mit anschließendem coaching zu verbinden. Eine somatic-spirituelle Erfahrung, die absolut intrinsische Zufriedenheit in mir hervorruft 🙂 UND ich brauche Zeit zu tanzen.

Ha! Am Horizont zieht Klarheit auf.

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4 thoughts on “Die Jagd

  1. Hm, unter 42 Stunden wirst Du wohl nirgends rauskommen 🙂
    Aber ich verstehe, dass Du die 42 Stunden (oder zumindest das Meiste davon) gerne mache möchtest.
    Ich kenne ein paar Leute die Teilzeit in großen Unternehmen arbeiten (die bezahlen nämlich mehr) um dann die restlichen Stunden mit einer Selbsständigentätigkeit zu verbringen (die macht Spass, aber bringt wenig). Ich kenne also Controller, die als Yoga Leherer arbeiten, Opernsänger die Mediatoren sind und gaaanz, gaaaanz viele Personaler, die nebenher Coach für irgendwas sind.

    Ich finde Deinen 2-gleisigen Ansatz gut!
    LG
    Anja

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