Die Brezel-Legende

Nach der Step Stunde heute Morgen bin ich ins naheliegende Café um noch einen Kaffee zu trinken. Step bei Nici ist übrigens ziemlich lustig am Donnerstagmorgen. Ich schrieb einige Postkarten an meine neuen Freunde in Amerika, belauschte die eifrigen, etwas miteinander flirtenden G’schäftsleit am Nachbartisch und bemerkte nach sicherlich einer Stunde Schreiben und Lauschen dieses Gedicht an der Wand.

Der Ursprung schwäbischer Klugheit:

Des Schwaben Klugheit ist kein Rätsel.

Die Lösung heißt Laugenbrezel.

Schon trocken gibt dem Hirn sie Kraft.

Mit Butter schmeckt sie fabelhaft.

Erleuchtet mit der Weisheit Fackel,

den Verstand vom größten Dackel.

(Manfred Rommel)


In diesem Bild seht Ihr eine klassisch schwäbische Version einer Brezel.

Das Gedicht veranlasste mich ein paar Brezeln zu kaufen, ein wenig zu recherchieren und mir die Frage zu stellen:

Woher kommt die Schwäbische Laugenbrezel eigentlich?

Einer Legende nach wurde die Brezel von einem Bäcker aus Bad Urach erfunden, der durch einen Frevel bei seinem Landesherrn sein Leben verwirkt hatte. Dem Bäcker wurde eine letzte Chance gegeben, er sollte seinem Landesherrn einen Kuchen backen, durch den dreimal die Sonne scheint. (Bad Urach ist auch gleich hier um die Ecke! Man muss nur dem Ermstal folgen, am Forellenteich vorbei, das Schlössle rechts liegen lassen, durch die Georgii-Siedlung durch und schon ist man da.)

Es gibt auch andere Entstehungsgeschichten, aber eine gesicherte Quelle gibt es nicht. Ich habe allerdings herausgefunden, dass die Brezel im Mittelalter eine religiöse Fastenspeise war.

Wer Lust hat kann die Uracher Legende auch ganz lesen. Ich fand sie auf: http://www.brezel-baecker.de

Frieder der Uracher Bäcker und Hofbäcker von Graf Eberhard im Barte Brezelgeschichte - Die schwäbische Brezel Saga war beim Grafen in Ungnade gefallen, er hatte die Freundschaft und das Wohlwollen des Grafen durch üble Nachreden verloren. Er bestellte den Frieder sofort ins Schloss und sagte: du bist ein undankbarer Kerl.  Durch mich hast du alles erreicht, was du wolltest. Jetzt beleidigst du mich, den Grafen ! –  Darauf steht die Todesstrafe ! Du wirst gehenkt werden !. Der Frieder wurde zunächst in das dunkle Gefängnis des alten Uracher Schlosses gesteckt, das oben auf dem Felsen steht, der die kleine Stadt überragt. Auch des Frieders Frau war sehr verzweifelt, denn sie mochte ihren Frieder sehr. Sie eilte ins Schloss und bat den Grafen um Gnade für ihren Mann.
Eberhard im Barte war nicht abgeneigt, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Er wusste, dass wenn er den Frieder aufhängen ließe, er auch auf dessen köstliches Gebäck verzichten müsste. Da er ein guter Herrscher war, ließ er den Frieder ins untere Schloss bringen und sprach: Nur weil ich deine Backkunst schätze, will ich dir noch eine Chance geben. Wenn du innerhalb von drei Tagen einen Kuchen oder ein Brot erfindest, durch welches dreimal die Sonne scheint und das mir besser schmeckt als alles was ich kenne, dann sollst du frei sein ! Der Frieder bedankte sich für die große Gunst und machte sich sofort an die Arbeit. Doch es vergingen zwei wertvolle Tage, ohne dass dem Frieder etwas Großartiges eingefallen wäre . Am dritten und letzten Tag knetete er einen leicht gesalzenen Hefeteig, weil er wusste, dass der Graf nicht so sehr für Süßes war. Er formte eine Schlinge und wusste nicht weiter . Während er sich den Schweiß von der Stirn wischte, fiel sein Blick auf seine Frau, sie hatte die Arme über der Brust verschränkt und sich fest vorgenommen, dafür zu sorgen, dass ihr Frieder seine Aufgabe löst. Diese verschlungenen Arme seiner lieben Frau versuchte der Frieder nun in seine Teigform einzubringen. Er schlang und werkelte, bis er’s hatte : eine Wurst, in der Mitte dicker, das war der Körper. Die seitlichen Enden dünner, das sollten die Arme sein. Die dünnen Arme legte er verschränkt übereinander. Ganz so, wie er es bei seiner Frau sah. Die Form war schön und kunstvoll, wie man es von ihm erwarten konnte. Der Frieder war zufrieden, und durch die drei sich ergebenden Öffnungen konnte, wenn sie wollte, auch die Sonne scheinen. Der Frieder machte ein großes Holzfeuer im Ofen und versuchte, ihn auf die richtige Hitze zu bringen. Den ganzen Tag schon hatte die Katze auf ihrem Plätzchen neben dem Ofen geschlafen. Als ihr der Ofen jetzt aber zu heiß wurde, sprang sie mit einem Satz aus ihrer Ecke hervor mitten auf das Backblech mit den geschlungenen Teigstücken. Diese purzelten in einen Eimer mit heißer Lauge, die die Bäckersfrau vorher angerührt und hier abgestellt hatte. Sie wollte damit Fisch und Suppe würzen.  Die Bäckersfrau schimpfte die Katze aus. Der Frieder schrie seine Frau an. Beide holten jammernd die Schlingwerke aus der Lauge und hoben andere vom Boden auf. So gut es ging, versuchten sie, alle Teile wieder in die richtige Form zu bringen. Die kann ich grad wegwerfen ! jammerte der Frieder. Back sie alle, wie sie sind ! beschwor ihn seine Frau. – Die Zeit drängt – Zur Verzierung streuten sie noch schnell einige Körner grobes Salz darauf. Beide setzten sich vor den Ofen und warteten stumm und ungeduldig auf das Ende der Backzeit. Als der Frieder mit der großen Holzschaufel seine Gebäckstücke herausholte, staunten sie beide nicht schlecht. Die mit der Lauge waren herrlich braun und um der Mitte hell aufgesprungen. Die Ärmchen waren knusprig, die Mitte weich wie ein Wecken. Der Frieder eilte so schnell er konnte, mit den ofenwarmen Gebäck zum Grafen . Der Graf saß gerade bei einem Glas Württemberger Wein, als der Frieder ihm das Gebäck zum versuchen reichte. Es war ganz still im Raum. Der Graf aß schweigend. Seine Frau knabberte ebenfalls an dem Backwerk. Der Frieder aber lag auf den Knien und hatte das Gefühl, dass sein Herz und die Zeit stille stehe. Plötzlich sprang Eberhard im Barte auf und hielt das Gebäck gegen das Fenster, durch welches soeben eine milde Abendsonne schien. Tatsächlich, die drei Öffnungen im Gebäck ließen den Sonnenstrahl in drei Bündeln hin durchfallen. Wie heißt dein Gebäck? fragte der Graf in die Stille. Ich weiß nicht, stammelte der Frieder, ich dachte an die lieben Arme meiner Frau und dass sie mich nicht mehr umarmen kann wenn ich tot bin ! Da ich aber dich, lieber Graf, immer verehren will, sollst du den Namen aussuchen ! Der Graf besprach sich mit seiner Frau, der Prinzessin Barbara. Tatsächlich, es sind Arme, sinnierte der Graf laut. Und die Prinzessin sehr gebildet war, fiel ihr das lateinische Wort für Armchen ,nämlich -bracchia- ein. Sie erwähnte auch das Wort -Brazula- die Bezeichnung für zwei verschlungene Hände. So was kann ich ja gar nicht aussprechen, wagte der Frieder einzuwerfen. Nenn das Gebäck Brazel sagte der Graf und fügte hinzu: Morgen erwarte ich einen ganzen Korb voll Braze zum Vesper ins Schloss! Der Frieder war so aufgeregt, dass er diese Worte noch gar nicht recht begriff. er rannte nach Hause und fiel seiner Frau weinend um den Hals. Du bist also gerettet! rief sie. Der Frieder hatte es geschafft. Sein Leben war gerettet !  Er machte seinen Freund und Gönner , den Grafen, nie mehr schlecht und wurde wie alle in Urach und Württemberg ein treuer Untertan.

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2 thoughts on “Die Brezel-Legende

  1. Nix gegen die Brezel! Aber ich hoffe, dass dieser Untertanengeist – “und wurde wie alle in Urach und Württemberg ein treuer Untertan” – heute verschwunden ist … Ich wäre dafür die Geschichte zu ändern, so einen Landesherrn einen Kopf kürzer zu machen und trotzdem die Brezel zu naschen!

  2. Dafür bin ich auch. Ich würde sagen, dass der Untertanengeist verschwunden ist, aber die Landsherren, die man ja heutzutage mit den großen Industriellen gleich setzen kann, die macht man immer noch keinen Kopf kürzer…

    Brezeln naschen tun sie allerdings trotzdem alle…

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