Wild und weit

Sierras, CA

Sierras, CA

Mein erster Urlaub seit langer, langer Zeit! Kaum zu glauben, nachdem ich vor genau 2 Jahren meine 3 jährige Reise beendet habe, war ich nun fast ein ganzes Jahr ununterbrochen an einem Ort. Manchmal fühlte ich mich als ob ich “festsitze”, dann wiederum als ob es so sein soll und ich fühlte mich ganz wohl damit. Ende letzten Jahres wurde ich dann aber doch kribbelig und fühlte mich ganz plötzlich regelrecht eingesperrt und auch gelangweilt.  Ich war unausstehlich und musste RAUS! Wir sind in die Sierras gefahren, allerdings nicht in das Gebiet, das von Touristen überschwemmt ist, sondern in ein vollkommen dünn besiedelte Region. Wir waren ein paar Tage in Markleeville. Dieses kleine Dorf hat 210 Einwohner, ist Bezirkshauptstadt und hat sogar ein Gerichtsgebäude. Es gibt einen Pub, der um 17 Uhr schließt, 2 kleine Hotels, eine Post, einen Tante Emma Laden, ein Souvenir-Geschäft, ein Frühstückscafé und ein absolut exquisites Restaurant. Dieses ist im Sommer 3 Abende und im Winter 2 Abende geöffnet. Das Essen war einmalig und sollte einer von Euch mal durch Markleeville kommen und es ist zufällig Freitag oder Samstagabend, stoppt im “Stonefly”. Das Highlight in Markleeville sind allerdings die Grover Hot Springs. Dort treffen sich alle, vor allem am Abend, denn es gibt keine andere Attraktion in der Umgebung. Um 18 Uhr werden die Bordsteine hochgeklappt, es wird eiskalt und die Nacht ist pechschwarz mit einem blinzelnden Sternenhimmel.  Continue reading

Advertisements

Zombies an Halloween

Dieses Jahr erlebte ich mein erstes Halloween in den USA.  Was für ein schräger Anlass sich zu verkleiden, Kinder zu erschrecken und Süßigkeiten zu verteilen! Halloween wurde ursprünglich nur im katholischen Irland gefeiert. Von dort kam es mit den zahlreichen irischen Auswanderern im 19. Jahrhundert in die USA und gehörte zum Brauchtum dieser Volksgruppe. Aufgrund seiner Attraktivität wurde es bald von den anderen übernommen und entwickelte sich zu einem Volksfest.

Ich wurde von Rajendras Cousine Deborah und ihrem Mann Phil auf ihre Halloween Party eingeladen. Das diesjährige Motto war: “Zombie”. Als wir am Nachmittag ankamen, halfen wir den nett-überschaubaren-typisch-amerikanischen-residential driveway zur “Zombie-location” auszustaffieren. Das Sound System wurde auch in kürzester Zeit perfektioniert, so dass man von innen hinter dem Küchenfenster sitzend, das Geschehen auf dem Innenhof beobachten und wüst verzerrt kommentieren konnte. Das Mikrophon haben wir draußen unter den Süßigkeitenbehälter in dem abgeschlagenen (Plastik) Kopf versteckt. Dann wurden die Rollen verteilt. Es gab Sicherheitspersonal mit Gasmasken und Luftdruckpistolen zum Erschrecken. Ebenso Leichen, die unter weißen Laken auf dem Boden lagen und ab und zu vom Tode auferstanden. Und natürlich ein paar umhergeisternde Zombies. Untermalt wurde alles mit einer Nebelmaschine und natürlich mit gruseliger Musik. Der Plan war folgender: Die Kinder mußten sich durch das Tor, an dem Sicherheitspersonal, den Leichen und den Zombies vorbei trauen und bis zum großen Süßigkeitenbehälter vordringen. Dort durften sie sich dann Süßigkeiten nehmen oder einer der Zombies gab sie ihnen. Aber bevor der Abend anfangen konnte, durften wir uns ja noch Schminken! Phil hat ein großes Sortiment an allem, was man braucht um sich vor sich selbst zu fürchten! Mich haben vor allem sein Narbenmaterial, das Kunstblut und die Gebisse aller Art fasziniert.

Hier seht ihr ein paar Eindrücke unserer “Zombie Crew”. Leider konnte das Auferstehen der Leichen nicht festgehalten werden, das war ein sehr ausdrucksstarkes feature …

Continue reading

For Frankie

homeless-copyPhoto by Lad Strayer

Last week at the Thursday Jam I met Frankie. Frankie lay in front of the narrow entrance door to the dance floor, his slumped and deformed body almost completely blocking the door. Everyone that wanted to enter or leave the studio had to literally step over him. He was highly visible and had drooled already a moderate sized puddle when Rajendra and I walked in.  At first, I was irritated and didn’t know if that strange behavior might be some sort of joke of one of the jam attendees. I took my time to put money in the jam box, signed my name on the clipboard and looked at the man laying on the floor a little closer. Rajendra came back and tried to communicate with him. It was obvious that he was totally drunk and definitely not a jammer. I was confused. How can a big studio full of people not realize that an entirely intoxicated, stinky as hell, probably homeless man is laying without shoes on the verge of the entrance door? Regarding the saliva puddle, he must have lain there at least for an hour.

How many people might have stepped over him, smelled him, seen the puddle? 10, 20 or maybe even 30? How come no one in our so called aware Contact Improvisation community hasn’t intervened for such a long time? Continue reading

Der kleine Troll

P1030493

Mit sechs Jahren Verspätung, aber schliesslich dennoch sieben Stunden früher als angekündigt ist der östliche Teil der Bay Bridge, die von San Francisco über die Insel Yerba Buena nach Oakland führt, am 2. September für den Verkehr freigegeben worden. Die elegante Hängebrücke wurde parallel zur alten, seismisch gefährdeten Brücke erstellt. Ein Teil der letzteren war bei einem schweren Erdbeben im Jahre 1989 eingestürzt. Die Kosten beliefen sich auf 6,4 Milliarden Dollar, das Fünffache des vorgesehenen Betrages. Die neueröffnete, 800 Meter lange, an einem 160 Meter hohen Pylonen verankerte Brücke, an die sich eine zweieinhalb Kilometer lange Zufahrtsrampe anschliesst, war das bisher teuerste staatliche Projekt Kaliforniens.

Rajendra und ich sind mit unseren Rädern letzte Woche über die neue Brücke geradelt. Dass der Weg für Fahrradfahrer in der Mitte einfach aufhört, wußte ich natürlich nicht und ich war ehrlich perplex so plötzlich vor zwei “path closed” Schranken zu stehen. Wir konnten uns nicht so recht erklären, warum es 2 Schranken gab, hätte eine nicht gereicht? Um den Fahrradweg verlängern zu können, muss erst einmal die alte Brücke abgetragen werden. Ich bin gespannt, wann das passieren wird.  Continue reading

Experimentierfreude!

Fingerfarbenexperiment

Ich arbeite seit 2 Wochen in der German School of the East Bay. Es ist eine Samstagsschule und der Unterricht findet von 9:15 Uhr bis 15:30 Uhr statt. Es werden hauptsächlich Kinder unterrichtet, aber es gibt auch ein paar Erwachsenenklassen, inklusive einem Literatur- und Kulturclub. Die Atmosphäre in der Schule ist sehr herzlich. Jeden Samstag bringen Mütter, Väter oder erwachsene Studenten etwas zum Kaffee mit. Hauptsächlich gibt es natürlich Gebäck und letzten Samstag sogar einen leckeren Zwetschgenkuchen. Ich fühle mich fast wie Zuhause, überall wird Deutsch geredet und ich höre die unterschiedlichsten Dialekte. Zum Kaffee wird geschlemmt und zwischendrin auch ein bißchen studiert. Ich habe ja den leisen Verdacht, dass die meisten Kinder hauptsächlich wegen den “snacks” gerne kommen. Dieser soziale Treffpunkt hat eine super engagierte und liebenswerte Schulleiterin. Es ist bewundernswert, wie viel Leidenschaft “Frau Nancy” für ihre Arbeit hat, wie hilfsbereit und dennoch resolut sie ist. Überraschenderweise ist sie Amerikanerin und warum sie so fasziniert von Deutschland ist, muß ich sie nächste Woche fragen.

Ich leite 3 Sing-und Spielgruppen für alle Kinder zwischen 18 und 36 Monate. Die Kinder kommen zusammen mit einem Eltern- oder Großelternteil und das ist ein ganz schönes Gewusel! Die Organisation der Gruppen war ziemlich kompliziert, da “nap time” und “lunch time” manchmal unmöglich mit den Kurs-Zeiten vereinbart werden konnten. Ich hätte ja nicht gedacht, dass das penibel genaue Einhalten von Mittagsschläfchen und Mittagessen am Samstag für manche Eltern so wichtig ist. Es ist das erste Mal, dass ich mit so kleinen Kindern und deren Eltern zusammen arbeite. Eine Kollegin und auch Nancy haben mich netterweise vorgewarnt, dass ich eventuelle Beschwerden ja nicht persönlich nehmen soll.  Nach fast 10 Jahren therapeutischer Arbeit in einer Psychiatrie, hoffe ich ja, daß ich das schaffe  … Continue reading

Colorful sweetness

photo

Whenever I can, I go to the Farmers Market on Saturday Morning. The Grand Lake Farmers Market is close to my house and I love going there. I stroll around, experience packed aisles full of healthy people, taste fresh organic produce, smell broiled chicken while I try out the newest rosewater tonic from a very knowledgable cosmetician. Sometimes I have a chat with Rupam in her herbal pharmacy and  when I finally have enough of all that, I stop at my favorite coffee place. A lovely Ethiopian lady prepares coffee and tea on a gas stove and serves it on a tray with a little jug of milk and a little bowl of sugar in REAL porcelain cups! For those of you who have never been in the United States, coffee usually is served in paper cups. If you don’t ask for porcelain you won’t get it. Continue reading

Stufenpepp mit Glätteisen

P1030287Heute war ich das erste Mal in einem richtigen Friseursalon! Also ich meine bei einem richtigen Friseur mit einem schicken Waschbecken, bei dem man den Kopf nach hinten kippt und sich die Haare waschen und massieren lässt. Der Kopfneigewinkel war reichlich unbequem, aber die Kopfmassage war sehr angenehm. Der Friseursalon hieß “About Beauty” und meine Friseurin Lisa. Sie ist Chinesin und vor 19 Jahren in die USA eingewandert. Ich sagte ihr, dass sie nach meiner Mutter die erste Friseurin ist, die meine Haare schneiden darf. Ja, liebe Mutsch, ich hab mich tatsächlich getraut mich unter die Schere einer anderen Friseurin zu begeben. Überraschenderweise war mir überhaupt nicht mulmig zumute, aber ich war dennoch vorsichtig und bat Lisa mir nur die Spitzen zu schneiden mit ein wenig stufigem Pepp. Wenn alles gut läuft, dann kann sie mir beim nächsten Mal vielleicht sogar meine Haare kurz schneiden. Sie fragte mich die exakt gleiche Frage, die mir meine Mutter am Anfang auch immer stellt:,,Auf welcher Seite trägst Du normalerweise Deine Haare?” Continue reading

Die Jagd

arbeit 2

Seit knapp 2 Monaten nehme ich die Suche nach einem Job tatsächlich ernst. Meine Hoffnung, daß mir meine nächste Aufgabe wieder vor die Füße rollt, scheint nicht mehr zu funktionieren. Ich durchforste Jobangebote auf craigslist und schreibe eine Bewerbung nach der anderen. Das Schreiben von Bewerbungen wurde sozusagen mein full-time Job. Es ist erstaunlich, wie viel Zeit das Lesen von Annoncen und Formulieren von Begleitbriefen und Resümees in Anspruch nimmt. Ärgerlich ist, wie selten ich eine Antwort auf meine Mühen bekomme. Es ist doch wirklich nicht zuviel verlangt eine einigermaßen freundliche Absage zu formulieren. Ich komme mir vor wie ein migrierender Vogel, der fremde Erde nach dem richtigen Futter absucht. Alle Sinne sensibilisiert um das richtige Nahrungsmittel zu orten. Hin und wieder landet er und probiert etwas, um erneut festzustellen, dass er doch noch nicht das richtige gefunden hat. Eine Freundin, die ich einmal in der Woche treffe, fragt mich jedes Mal:” Was ist denn diese Woche Aufregendes auf  dem Planeten Carmen passiert?” Und natürlich kann ich ihr immer interessante Geschichten erzählen. Sie meinte, dass meine Jobsuche im Grunde meine Reisen ersetzt hat. Dieses Mal durchstreife ich keine fremden Länder, dafür lerne ich die unterschiedlichsten Leute und Jobumgebungen kennen. Ich habe wieder keinen wirklichen Alltag und fülle meine Woche mit so vielen anderen Dingen, so daß meine Zeit fast vollkommen ausgefüllt ist. Continue reading

The pretty happy New World, What the heck!

Terrasse de café. Paris, vers 1925.Photo: Maurice Louis Branger

Many people ask me: “What the heck are you doing in the pretty happy New World.” First of all, the pretty happy New World is not always pretty and certainly not always happy.  But it is definitely exciting and interesting to live here in the Bay Area in between lots of somatic-spiritual-psychological awareness, that keeps everyone extremely busy!

But again: “What the heck am I doing here?”
I start with my New Year’s resolutions for 2013. They were simple:

  • Go earlier to bed,
  • Get a job that pays me well,
  • And do some arty projects.

The result so far: I rarely make it to bed before 12am, I don’t have a job that pays me well, but I do some arty projects and extremely enjoy collaborating with Giselle and Mary. Continue reading

Outrageous Limbo!

USCIS

Dear People,

Today I have something serious to write about the country I decided to live in. My friend Giselle and her husband filed an I-212 waiver. The I-212 is an application for permission to reapply for admission into the United States after deportation or removal. The entire application was a large stack of papers, the kind that you need two arms to carry. It included documents that their marriage is real, bank statements, apartment leases, telephone bills and a lot of letters from friends and family members that shared their desire for justice proclaimed. There’s no formal time limit by which US Citizenship and Immigration Services (USCIS) has to release a decision about Giselle’s husband’s waiver. They might answer tomorrow, or in a few months or maybe next year. They submitted the application in September of 2012. If the answer is positive they can apply for permanent residency. The same application I had to go through.

Now you have to hold your breath: The United States Citizenship and Immigration Services (USCIS) does not know where the waiver application is! It is missing. The big pile of paper with all the accumulated documents has disappeared. It has vanished in the universe of bureaucracy’s ignorance.  Continue reading